Pflichttext

Nehmen Sie eine Erkältung nicht auf die leichte Schulter

Nach 10 Tagen sollte der Spuk vorbei sein

„Ich habe die Grippe“, sagen viele Menschen, wenn sie erkältet sind. Tatsächlich aber haben sie einen grippalen Infekt. Das ist etwas ganz anderes als eine echte Grippe, die deutlich schwerer verläuft und meist von hohem Fieber begleitet wird. Die echte Grippe wird durch Influenzaviren hervorgerufen, während die sogenannten banalen Erkältungen der Wintersaison meist durch Rhino- oder Coronaviren verursacht sind.

Nach 8 bis 10 Tagen ist der Spuk in aller Regel vorbei. In dieser Zeitspanne sollte es das Immunsystem geschafft haben, mit den Erregern fertig zu werden. Dauern die Erkältungsbeschwerden länger an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Ganz so banal sind Erkältungen keineswegs. Besonders bei Rauchern können banale Erkältungen langwierig und komplikationsträchtig sein. Im Innern sind die Bronchien mit einem Flimmerepithel ausgekleidet: Millionen feinster Härchen schlagen synchron in Richtung Rachen und transportieren so den Schleim mitsamt den Erregern aus den Atemwegen heraus. Aggressiver Zigarettenrauch beeinträchtigt diese Selbstreinigungsmaschinerie, weshalb im Fall einer banalen Erkältung die Gefahr besteht, dass die Flimmerhärchen mit der Entsorgung von Schleim und Erregern überfordert sind.

Manchmal nutzen Bakterien die Gunst der Stunde, und es kommt im Rahmen einer Erkältung zu dem Virusinfekt eine bakterielle Superinfektion hinzu. In der Regel heizen die Bakterien das Entzündungsgeschehen weiter auf, so dass sich die Beschwerden verschlimmern. Die alte Faustregel, eine gelb-grüne Verfärbung des Schleims spreche für eine bakterielle Infektion, hat sich allerdings als haltlos erwiesen. Werden Bakterien im Auswurf nachgewiesen, kann die Einnahme eines Antibiotikums erforderlich sein.

Nasennebenhöhlenentzündung

Bei einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) hat sich die Entzündung über ein verbindendes Gangsystem von der Nase in deren Nebenhöhlen ausgedehnt. Zu den 4 Nasennebenhöhlen zählen die Kieferhöhle und die Stirnhöhle. Typische Symptome einer Sinusitis sind ein Druckgefühl, vor allem beim Vornüberbeugen, sowie Schmerzen im Bereich der betroffenen Nebenhöhle(n). Abschwellende Medikamente sorgen dafür, dass die ausführenden Gänge wieder freikommen und der Schleim mitsamt den Erregern abfließen kann. Dies wird durch schleimlösende Medikamente unterstützt.

Mittelohrentzündung

Das Mittelohr schließt sich an den äußeren Gehörgang an, von dem es durch das Trommelfell getrennt ist. Im Mittelohr befinden sich die 3 Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel, die für die Übertragung der Schallwellen ins Innenohr zuständig sind. Über die Ohrtrompete ist das Mittelohr mit dem hinteren Rachenraum verbunden, und diesen Weg können bei einer verschleppten Erkältung Viren und/oder Bakterien nehmen und zu einer Mittelohrentzündung (Otitis media) führen. Am häufigsten sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen. Die Mittelohrentzündung geht in der Regel mit Ohrenschmerzen und Fieber einher. Bahnt sich der Eiter einen Weg nach außen, kann es zu einer Perforation des Trommelfells kommen. Ein solcher Riss heilt in der Regel von selbst, wobei man den austretenden Eiter vom Arzt absaugen lassen sollte. Auch die Mittelohrentzündung verschwindet gewöhnlich innerhalb einiger Tage von selbst. Unterstützend haben sich abschwellende Nasentropfen bewährt, die via Ohrtrompete die Belüftung des Innenohrs verbessern.

Mandelentzündung

Die Mandeln sitzen zwischen dem vorderen und hinteren Gaumenbogen, wo die Mundhöhle in den Rachen übergeht. In den ersten Lebensjahren, in denen die Mandeln an der Ausbildung des Immunsystems beteiligt sind, nehmen sie stetig an Größe zu, um dann später wieder zu schrumpfen. Aufgrund ihrer Lage sind die Mandeln für Erkältungserreger wie geschaffen, sich dort einzunisten und zu vermehren. Dadurch kommt es zu einer akuten Mandelentzündung (Tonsillitis) mit Halsschmerzen, Heiserkeit und Fieber. Eitrige Mandelentzündungen, die durch Bakterien verursacht werden, erfordern den Einsatz von Antibiotika. Durch Bettruhe und reichliche Flüssigkeitszufuhr lässt sich der Heilungsverlauf unterstützen, auch Gurgeln mit Salbei oder Kamille ist empfehlenswert. Machen die Mandeln fortgesetzt bzw. immer wieder Probleme, werden sie üblicherweise chirurgisch entfernt.

Lungenentzündung

Wenn es Erkältungserregern gelingt, in die Lunge vorzudringen, kann eine Lungenentzündung die Folge sein. Oft sind Bakterien – allen voran Pneumokokken – verantwortlich, die den Einsatz von Antibiotika erforderlich machen. Gefährdet sind in erster Linie Menschen, deren Immunsystem nicht in Topform ist. Bei Kleinkindern ist das noch nicht, bei alten Menschen nicht mehr der Fall, weshalb diese beiden Altersgruppen zu den Risikopersonen zählen. Ihnen wird eine Impfung gegen Pneumokokken empfohlen. Bei einer Lungenentzündung ist der Gasaustausch zwischen Atemluft und Blut beeinträchtigt. Das heißt, die Aufnahme von Sauerstoff ins Blut ist erschwert, weshalb ausgeprägte Lungenentzündungen mit Atemnot einhergehen. In mehr als der Hälfte der Fälle ist eine Einweisung ins Krankenhaus notwendig. In der Regel heilt eine Lungenentzündung ohne Folgen aus. Ist das Immunsystem allerdings sehr geschwächt, kann die Lungenentzündung lebensbedrohlich werden.

Unser Tipp: So kurieren Sie eine Erkältung richtig aus

  • Gönnen Sie sich eine Erholungspause. Bleiben Sie für 1, 2 Tage im Bett und schlafen Sie viel.
  • Nehmen Sie ein Erkältungsbad und schwitzen Sie die Erkältung buchstäblich aus.
  • Inhalieren Sie regelmäßig. Das befreit die Atemwege und fördert die Regeneration der Schleimhäute.
  • Vermeiden Sie körperliche Anstrengung. Auch Alltagstätigkeiten wie Putzen kosten den geschwächten Körper wertvolle Kraft.
  • Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie zum Beispiel Treppensteigen oder Spazierengehen als anstrengend empfinden, ist dies ein klares Zeichen, dass der Infekt noch nicht auskuriert ist.
  • Gehen Sie – warm eingepackt – raus an die frische Luft.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Empfehlenswert sind Mineralwasser, Fruchtsäfte oder Tee.
fröhliche Familie im Wald mit 2 Kindern Ehepaar und einem Elternpaar

Erkältungen bei Kindern

Ein Infekt jagt den nächsten

Als Eltern haben Sie manchmal das Gefühl, Ihr Kind wird Schnupfen und Husten gar nicht mehr los. Kaum ist eine Erkältung überstanden, fangen sich die Kleinen im Kindergarten oder bei der Tagesmutter schon den nächsten Schnupfen ein. Bis zu 12-mal im Jahr machen Kleinkinder laut Statistik eine Erkältung durch, die in diesem Alter öfter mit höherem Fieber einhergeht. Das ist zwar lästig, doch das muss so sein.

Das kindliche Immunsystem ist nämlich noch nicht voll ausgereift. Zwar verfügen Kinder schon bei der Geburt über ein angeborenes Immunsystem, das Eindringlinge zum Beispiel mit unspezifischen Zellgiften attackiert. Das angeborene Immunsystem ist aber längst nicht so schlagkräftig ist wie das erworbene Immunsystem, das sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Taucht in den ersten Lebensjahren ein bislang unbekannter Erreger auf, bildet der Körper dagegen zielgenaue Waffen aus, die den Angreifer vernichten. Diese als Antikörper bezeichneten „Wunderwaffen“ behält das Immunsystem in der Hinterhand und kann sie bei einem erneuten Angriff desselben Erregers umgehend mobilisieren. In dem einsetzenden Kugelhagel aus hochspezifischen Antikörpern haben Erreger kaum eine Chance zu entkommen.

Im Laufe der Jahre wird auf diesem Weg der Erstinfektion gegen eine Vielzahl verschiedener Erreger ein Lager an Antikörpern angelegt. Deshalb die vielen Kinderkrankheiten, von denen man später dann profitiert. Dass man sich trotzdem auch im Erwachsenenalter immer mal wieder eine Erkältung einfängt, hat verschiedene Gründe: Zum einen ist das Immunsystem nicht immer gleich gut in Form, und zum anderen gibt es hunderte verschiedener Erkältungserreger.

Sie sind nicht allein

Erkältungen sind für viele Menschen ein Thema, wie die Suchanfragen bei Google zeigen:

Das Diagramm zeigt den Suchverlauf für den Begriff "Erkältung" innerhalb der letzten 90 Tage.

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